Im Sommer sind wir an eine Hochzeit in Italien eingeladen. Schon lange Zeit im Voraus war ich auf der Suche nach dem perfekten Kleid. Nicht ganz einfach, wenn man vor kurzem ein Baby bekommen hat und dieses noch stillt. Ich hatte mir online also bereits eine wunderbare Wunschliste zusammengestellt. Und dann? Ja, dann kam ein Mail von der Trauzeugin: „Bitte beachtet den Dresscode!“

Ich machte mir keine weiteren Sorgen. Ich glaubte, die Braut gut zu kennen. Ich gehöre ja nicht zu der Sorte Mensch, die an einer eleganten Hochzeit mit T-Shirt und Jeans auftauchen würde. Doch was ich da auf der Homepage las, stürzte mich kurzfristig in eine Sinneskrise: „Wir bitten auf Knallfarben zu verzichten, also kein Blau, Rot oder Gelb.“

Wie bitte? Kein Rot, ja, ok. Das ist meiner Meinung nach Allgemeinwissen. Gelb ist sowieso nicht meine Farbe. Aber kein Blau? Ich liebe Blau in all seinen Varianten – besonders Königsblau und Türkis. Koralle und Himbeere bin ich auch nicht abgeneigt. Und die knallen definitiv!

Nachfragen lohnt sich

Nach anfänglichem Schock entschloss ich mich bei der Braut nachzufragen. Ich zeigte ihr sogar meinen Kleiderschrank und fragte, ob das denn wirklich nicht gehe? Die einzige Pastellfarbe, die dort nämlich anzutreffen war, war Rosa. Und ich verspürte keine Lust, an dieser Hochzeit (wie schon an einige anderen) wieder Rosa zu tragen.

Die Braut zeigte sich dann kompromissbereit: „Ach, wir wollten nur nicht, dass jemand in Neonorange oder Sonnenblumengelb auftaucht. Aber Himbeere oder Türkis wären schon in Ordnung.“ Ich schätze diese Aussage wirklich sehr. Aber mein Ehrgeiz war geweckt!

Ich wusste, dass die Braut Shabby Chic und Landhausstil liebt. Klar, passen da keine Knallfarben rein. Und wie oft habe ich denn auf diesem Blog gepredigt, dass das Brautpaar an seiner Hochzeit machen und lassen soll, was es möchte? Dass es an diesem einen Tag im Leben wirklich nur um sie geht und sie keine Kompromisse eingehen sollen? Und jetzt, ja jetzt versuchte ich plötzlich meinen eigenen Willen durchzusetzen?

Also akzeptierte ich die Herausforderung und begann meine Kleid-Suche von vorne. Klar, ganz einfach war es nicht. Aber die Braut – eine Person, die mir sehr am Herzen liegt – ist die Mühe definitiv wert.

Die Braut hat immer Recht

Darum, liebe zukünftige Bräute, seid mutig und kommuniziert eure Wünsche. Traut euch auch, Tante und Cousine das sonnenblumengelbe Kleid zu verzichten. Es ist ja nicht so, dass Frauen nur ein Kleid im Schrank hängen haben. Und zur Not kann man sich auch ein Kleid leihen, sei es von einer Freundin oder von einem Mietservice.

Übrigens: Nach diversen Versuchen mit Hellblau und Mint habe ich mich schlussendlich doch für ein dunkelblaues Spitzenkleid entschieden. Ich habe mich darin einfach am wohlsten gefühlt. Ich hoffe, der Braut gefällts…