Zuerst mal vorweg: ich bin kein grosser Freund von Hochzeitsspielen. Bevor wir heirateten, war ich sogar ein vehementer Gegner. Ich fand es peinlich und sah nicht ein, weshalb man sich an seinem vermeintlich schönsten Tag im Leben vor versammelter Gesellschaft lächerlich machen sollte. Deshalb auch der Auftrag an meine Schwester und Trauzeugin: Reden ja, Präsentationen eventuell, Spiele NEIN.

Sie erlaubte dann trotzdem ein Spiel. Zum Glück! Es stellte sich heraus, dass die abgeänderte Version von „Du oder Ich“ eines der Highlights an unserer Hochzeit werden würde. Das Spiel geht ganz einfach: Braut und Bräutigam sitzen mit dem Rücken zueinander, so dass sie die Antwort des anderen nicht sehen. Danach werden Fragen gestellt, die das Brautpaar beantworten soll. Etwa: „Wer kocht besser?“ oder „Wer braucht morgens länger im Bad?“

Natürlich lebt das Spiel von den Fragen. Und von den Reaktionen des Brautpaares. Wir waren topmotiviert – denn unsere Freunde hatten sich diverse Preise für die Anzahl Antworten überlegt, die wir übereinstimmend gaben. Uns gelang es übrigens, den Hauptpreis abzuräumen: ein Abendessen im edelsten japanischen Restaurant von Zürich.

Lange Zeit war ich der Meinung, dass dieses Spiel das einzig akzeptable Hochzeitsspiel sei. Baumstammsägen? Verletzungsgefahr! Geschirr zerbrechen? Ebenso! Den Bräutigam durch ein Tuch füttern? Schrecklich… wer will schon das ganze Gesicht voller Kuchen? Ich könnte noch mehr Grausamkeiten aufzählen. Aber das lass ich jetzt aus Zeitgründen weg.

Vor kurzem habe ich übrigens noch ein neues, süsses und witziges Spiel kennengelernt: Die Gäste durften sich eine kleine Unternehmung ausdenken, die sie mit dem Brautpaar unternehmen wollten und diese auf Zettel schreiben. Diese wurden in Ballons verpackt, die Ballons auf einem Brett festgemacht.

Aufgabe des Brautpaares war es, mit Pfeilen zwei Ballons zu treffen. Die Unternehmung des ersten Ballons war ein Geschenk der Gäste, die sich diese ausgedacht hatten. Diejenige des zweiten Ballons musste das Brautpaar den entsprechenden Gästen offerieren. Dass die Braut mit ihrem Pfeil keinen einzigen Ballon traf, amüsierte die ganze Gesellschaft.

Um es kurz zu sagen: Ich finde Spiele und andere Präsentationen in Ordnung, solange sie das Brautpaar nicht bloss stellen. Witzig soll es, ein eher subtiler Humor. Bettgeschichten und andere intime Details, auch wenn vielleicht im Freundeskreis bekannt, müssen keine erzählt werden. Schliesslich ist auch die Oma an der Hochzeit.

Die Präsentation meiner Kinderfotos war übrigens ein Grenzfall. Die meisten waren zuckersüss. Doch als das Bild, auf dem ich als Baby schreiend auf dem Wickeltisch lag und der Welt meine Genitalien zeigte, hätte ich kurzfristig im Boden versinken können. Zum Glück wurde zu diesem Zeitpunkt der nächste Gang serviert und unsere Gäste konzentrierten sich aufs Essen.