Ich habe den Titel vorsichtig gewählt, man hätte auch mit „Elopement“, „Heiraten nur zu Zweit“ oder „Heiraten im Geheimen“ nennen können. Wisst ihr, wovon ich spreche? Wenn gute Freunde heiraten und man später über Facebook durch ein Status-Update davon erfährt?

In meinem Umfeld haben solche Hochzeiten Tradition. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die betroffenen Personen diesen Blog lesen. Deshalb möchte ich nicht zu viel über die persönlichen Umstände erzählen und diese Situation etwas anonymisieren. Sicher, es gab jedes Mal einen Grund zu heiraten: eine Schwangerschaft, schwierige Lebensumstände oder eine schwierige Familienkonstellation.

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Und meist erfuhr ich erst im Nachhinein von der Hochzeit. Oder man rief mich an, mir mitzuteilen, dass man übrigens heirate, ich aber nicht eingeladen sei. Für mich waren diese Situationen immer sehr schwierig nachzuvollziehen.

Ich hatte Mühe damit, erst im Nachhinein und von einer Drittperson von einem derart grossen Ereignis zu erfahren. Teilweise war ich nur etwas brüskiert, teilweise so verletzt, dass ich für eine Weile gar keine Lust mehr hatte, die entsprechenden Personen zu sehen. Klar, nach einer Weile habe ich noch immer verziehen, mich damit arrangiert. Was man halt macht innerhalb der Familie und mit guten Freunden.

Bis zu einem gewissen Punkt kann ich das Bedürfnis nach Intimität nachvollziehen. Hätte der beste aller Ehemänner mich damals, als wir das erste Mal auf Tahiti waren, gefragt ob ich ihn heiraten möchte, ich hätte keine Sekunde gezögert und wäre mit ihm zum Rathaus gegangen. Und zwar nur wir zwei.

Das wäre wahnsinnig romantisch gewesen. Meinte ich. Der beste aller Ehemänner war einer ganz anderen Meinung: „Deine Familie hätte uns umgebracht, wenn wir in ihrer Abwesenheit geheiratet hätten.“ Und ich muss zugeben, er hatte ausnahmsweise Recht.

Vielleicht bin ich zu harmoniebedürftig, zu wenig egoistisch? Auf jeden Fall fand unsere Hochzeit einige Jahre später im Kreise der ganzen, grossen Familie statt und es war ein Fest, von dem alle noch bis heute erzählen.

Ich schätze mal, jedes Paar muss für sich selber entscheiden, was ihm wichtiger ist: Die intime Feier, die Romantik des Moments oder die Tatsache, einer der schönsten Tage im Leben mit all seinen Liebsten zu teilen. Eines müsst ihr euch bewusst sein: Wenn ihr euch für die erste Variante entscheidet, werden sicher Gefühle verletzt. Aber vielleicht ist das ja gar nicht so schlimm? Oder ihr schmeisst zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Fest, zu dem ihr Familie und Freunde einladet?