Ich bin mir nicht sicher, wann genau dieser Trend in der Schweiz angekommen ist. Als wir vor knapp drei Jahren heirateten, war Schlager an Hochzeiten noch kein Thema. Als wir im Februar an einer Walliser Hochzeit waren, war es die dominante Musikrichtung. Zur Freude der Walliser und Schwaben – zum Leid der „Üsserschwiizer“.

Seit Helene Fischer ist Schlager in Deutschland wieder gross. Das weiss ich hauptsächlich dank der Sendung „4 Hochzeiten und eine Traumreise“. Steinigt mich, aber ich persönlich konnte nie etwas mit diesem blonden, herumhüpfenden Ding, das einfachste Melodien trällert, anfangen.

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Aber ich akzeptiere, dass ihre Lieder sehr eingängig sind und sich leicht mitsingen lassen. Deshalb eignen sie sich gut als Eisbrecher für die Hochzeit, um die Gäste auf die Tanzfläche zu bringen. Mit einem Schlagerlied kann ich auch gut leben. Dann setze ich mich halt für ein Lied hin – man ist ja tolerant.

Schlager an Hochzeiten: geht immer!?

Aber offenbar geht Schlager an Hochzeiten inzwischen weit über Helene Fischer hinaus. Da ich mit Brautpaaren und DJs zusammenarbeite, merkte ich, dass sich diese Musikrichtung inzwischen kaum mehr wegdenken lässt. Für die DJ-Wahl ist es ein wichtiges Kriterium, ob man sich Schlager und Après-Ski-Musik wünscht.

Brautpaare sind in der Zwickmühle: „Ich befürchte, wir kommen um den Schlager kaum herum“, schrieb mir etwa eine Braut. Man will ja als Brautpaar für eine gute Stimmung sorgen.

Fest steht: Wenn ihr nicht total urban, umgeben von Hipstern heiratet, werdet ihr wohl eins, zwei Helene-Fischer-Lieder spielen lassen müssen. Auch wenn es euch widerstrebt. Wenn ihr Schlager mögt und eure Gäste genau so denken, könnt ihr getrost eure Schlagerhochzeit feiern.

Für alle anderen Kombinationen empfehle ich: Teilt dem DJ euren ganz persönlichen Musik-Geschmack mit. Und einige totale No-Gos. Er wird sich grösstenteils daran halten, vielleicht das eine oder andere Lied bringen, das euch nicht zu 100 Prozent gefällt, aber eure Gäste animiert.

Warum ein guter DJ Gold wert ist

Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung: Wir wollten an unserer Hochzeit unbedingt Musik aus den 50er und 60er Jahren vermeiden. Als unser DJ genau diese spielte, verdrehten wir die Augen. Doch die älteren Semester rasten auf die Tanzfläche und legten einen flotten Foxtrott hin. Die jüngeren Gäste liessen sich von dieser Stimmung so mitreissen, dass innerhalb von kürzester Zeit die ganze Hochzeitsgesellschaft tanzte – trotz unterschiedlichem Musikgeschmack.

Und darum geht es doch an einer Hochzeit: Dass man als gemeinsam ein wunderschönes Fest erlebt, von dem alle Gäste auch Jahre später noch schwärmen. Schlager, Oldies oder Electro zum Trotz.

Übrigens: Auch bei der Walliser Hochzeit war die Stimmung genial – daran konnte aller Schlager dieser Welt nichts ändern.