Vor zehn Jahren wurden der beste aller Ehemänner und ich ein Paar. Seit diesem Zeitpunkt überlegte ich mir, wie dereinst mein Verlobungsring aussehen sollte. Die Kriterien waren schnell festgelegt und nach ungefähr vier Jahren auch dem besten aller Ehemänner mitgeteilt: Er sollte ein Solitär von Tiffanys sein. Gerne aus Weissgold oder Platin, mindestens ein Karat. Den Diamantan gerne rund oder herzförmig geschliffen.

Credit: paulliebtpaula.de

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Der beste aller Ehemänner fühlte sich nur leicht unter Druck gesetzt. Nach acht Jahren Beziehung wagte er sich zum ersten Mal zu Tiffanys. Und wählte einen Ring aus, der zwar so meinen Kriterien nicht ganz entsprach.

Es stellte sich aber heraus, dass der beste aller Ehemänner meinen Geschmack besser kannte, als ich selbst. Denn der Ring war und ist einfach perfekt. Ich würde mir keinen anderen Verlobungsring wünschen. Auch wenn der beste aller Ehemänner im Nachhinein meinte: „Ich hätte den Diamanten doch etwas grösser wählen sollen.“

Dass unsere Liebsten mit einem Solitär um unsere Hand anhalten, ist ein Brauch, der aus den USA stammt und sich seit einigen Jahren zum Glück für die Frauen auch bei uns etabliert hat. Auch wenn der Brauch ein amerikanischer ist, so sind doch die Kriterien für den Ring europäisch geworden.

Eine Umfrage bei meinen Freundinnen zeigt: Wir wollen einen qualitativ hochwertigen Ring. Der Diamant soll einen schönen Schliff und einen hohen Reinheitsgrad haben. Die Grösse ist dabei eher nebensächlich.

Ganz anders in den USA: Als ich dort meinen kleinen, aber feinen Diamanten stolz herumzeigte, wurde ich nur müde belächelt. Die Frauen zeigten mir ihre Verlobungsringe, deren Steine ungefähr drei Mal so gross waren wie meiner. Ich bekam sogar das Angebot, man wolle mir einen grösseren Klunker kaufen.

Ich verstand die Welt nicht mehr, war zutiefst beleidigt. Bis ich in Las Vegas die Werbung eines Juwelierladens sah. Dort wurden doch tatsächlich 2-Karat-Ringe für rund 4000 Dollar angepriesen. Farbe, Schliff und Reinheit waren egal, nur die Grösse zählte. Zum Vergleich: Bei Tiffanys in Deutschland kostet so ein Solitär über 35’000 Euro.

MNM will wissen: Was meint ihr? Lieber klein und fein oder gross und protzig?