Ich treffe die britische Brautmode-Designerin Stephanie Allin an einem Sonntagmorgen in der Lausanner Boutique Belle en Blanc. Stephanie ist so ganz anders, als man es eigentlich von jemandem erwarten würde, der schon seit 20 Jahren erfolgreich sein eigenes Modelabel betreibt: Sie ist offen, warmherzig und und so überhaupt nicht kapriziös.

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Stephanie Allin ist gerne in der Schweiz, hat durch ihren Mann sogar den Schweizer Pass. Sie kennt das Land gut, fühlt sich wohl hier und schätzt die Zusammenarbeit mit den Schweizer Bräuten. Und so begann auch unser Interview.

Stephanie, wie ist die Braut, die deine Kleider trägt?

Stephanie Allin: Ich schaffe Brautkleider für Frauen, die modebewusst, aber keine Fashion Victims sind. Die beruftstätig und unabhängig sind. Die wissen, was sie vom Leben als auch von ihrem Kleid erwarten. Sie sind zufrieden mit sich selbst. Frauen wie Grace Kelly oder Audrey Hepburn sind ihre Stilikonen. Sie mögen klassische, elegante Kleider mit raffinierten Details und schätzen Qualität. Alle meine Kleider werden von Hand in Grossbritannien hergestellt. Ich habe übrigens herausgefunden, dass Schweizer Bräute besonders schlichte Kleider mögen, die ihre natürliche Schönheit unterstreichen.

Du nennst Frauen wie Grace Kelly als Stilikonen. Gilt das auch für dich? Woher holst du dir deine Inspiration?

Stephanie Allin: Ich habe mich schon oft von Filmen inspirieren lassen. Nachdem ich den Film „High Society“ mit Grace Kelly sah, entstand das Kleid Kelly. Dieses ist bereits seit sechs Jahren ein Bestseller und gehört zu meinen persönlichen Lieblingskleidern. Ich lasse mich auch oft von Materialien inspiriern. Zu Beginn der Saison lasse ich mir diese zeigen, so entstehen viele Ideen. Eigentlich lasse ich mich aber von allem inspirieren, was um mich herum geschieht. Ich sauge alles auf wie ein Schwamm.

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Hast ein ganz persönliches Lieblingskleid?

Stephanie Allin: Das wäre, wie wenn du mich nach meinem Lieblingskind fragen würdest. Natürlich habe ich zu jedem meiner Kleider eine persönliche Beziehung. Gewisse Kleider wachsen einem ans Herz, wenn man merkt, dass sie die Bräute ganz besonders glücklich machen Dazu gehören im Moment Bardot, Julia, Kelly, Sunset und Martine. Bella ist eines meiner Lieblingskleider aus Spitze.  Und natürlich Margot. Im Moment hat es mir Chiffon ganz besonders angetan.

Wie wurdest du eigentlich Brautmode-Designerin?

Stephanie Allin: Es wurde mir wohl in die Wiege gelegt. Schon als kleines Mädchen entwarf und schneidert ich Outfits für meine Barbies. Da war Designerin nur die logische Berufswahl. Ich habe in London studiert und dort einige Jahre für andere Designgrössen gearbeitet. Mein eigenes Label startete ich vor 20 Jahren in meinem Heimatdort Mumbles in Wales, wo ich noch immer lebe und arbeite. Ich entschiede mich für Brautmode, um nicht einfach als Dorfschneiderin zu gelten. Diese Boutique in Mumbles habe ich noch immer, daneben habe ich kürzlich eine zweite in London eröffnet. Ich pendle zwischen den beiden Läden. Wenn eine Braut Glück hat, wird sie von mir persönlich bedient.

Welchen Rat würdest du zukünftigen Bräuten geben?

Stephanie Allin: Das Internet macht es Bräuten sehr schwierig, das richtige Kleid zu finden. Sie sehen diese riesige Auswahl und sind sich nie sicher, ob sie tatsächlich das richtige Brautkleid gefunden haben. Viele Bräute, die zu mir kamen, waren schon in zehn oder mehr Boutiquen. Deshalb rate ich allen Frauen, nicht zu viele Kleider anzuprobieren. Sie sollten lieber eine Boutique ihres Vertrauens finden, sich gut beraten lassen und einfach auf ihr Bauchgefühl haben. Sich ein Budget zu geben ist sehr wichtig. Gleichzeitig sollten Frauen auch bereit sein, dieses um bis zu 20 Prozent zu überschreiten. Ich würde ihnen auch raten, nicht zu viele Leute mitzunehmen und nur die richtigen. Und das Kleid sollte zur Location passen: Heiratet man etwa auf einem Schiff, würde ich keiner Braut raten ein enges Mermaid-Kleid zu tragen.

Allgemein möchte ich aber jede Braut daran erinnern, dass ihre Hochzeit nicht das Ende, sondern erst der Anfang von etwas Wunderschönem ist. Es geht an diesem Tag nicht darum, die Gäste mit möglichst vielen Details und Perfektion zu beeindrucken, sondern darum, die Liebe zwischen dem Brautpaar zu feiern.

MNM will wissen: Welches ist euer Lieblingskleid von Stephanie Allin?